"Es ist eigentlich eine ganz schlichte Musik. Aber es gibt ein Gefühl von Heiligtum und Farbe. Man merkt, dass man mit etwas Größerem verbunden ist, mit der Ewigkeit und dem Kosmos". So beschreibt Klaas Stok die besondere Aura der Chormusik von Anton Bruckner. Zum 200. Geburtsjahr des Komponisten hatte der Chefdirigent des NDR Vokalensembles ein Programm konzipiert, das diese ganz eigene Schönheit und die spirituelle Dimension der Werke abbildet. Im Zentrum des Programms, das im November 2024 im Großen Saal der Elbphilharmonie zu erleben war, stehen die Motetten von Bruckner, wie etwa "Locus iste", "Christus factus est" und "Os justi". Diese Motetten sind mit kurzen Posaunenwerken von Bruckner und mit zwei Orgelimprovisationen des Organisten Thomas Cornelius verzahnt. Eine Erinnerung daran, dass Bruckner als großer Improvisationskünstler an der Orgel bekannt war. Die Chorwerke, die Aequale für Posaunen und die beiden Orgelimprovisationen sind tonartlich so aufeinander abgestimmt, dass sich die einzelnen Teile zu einem großer Spannungsbogen zusammenfügen, wie Klaas Stok betont. "Ich habe versucht, eine Art Chorsinfonie daraus zu machen".